Home. .. -> Die Orgel

Besucher online: 1

Der Dom
Die Orgel
Förderverein Eule-Orgel
Pfarrgemeinde Tröglitz
Pfarrgemeinde Droyßig
St. Marienstift
Kontakte
Einrichtungen
Impressum & Suchen
Archiv-2020
Archiv-2021
Archiv-2022
Archiv-2023
Archiv-2024
Archiv -->>

Die Orgel


Foto: Christoph Sandig, Leipzig

„Zur Disposition der Eule-Orgel
klicken Sie bitte auf das Bild!“

Im Jahre 1663 verlegte Herzog Moritz von Sachsen (der jĂŒngste Bruder des in Dresden regierenden KurfĂŒrsten Johann Georg II) als Administrator des Hochstifts Naumburg-Zeitz (der Nachfolge-Institution des mittelalterlichen Bistums) seine Residenz von Naumburg nach Zeitz. Herzog Moritz verpflichtete den langjĂ€hrig in Dresden tĂ€tig gewesenen berĂŒhmten Hofkapellmeister Heinrich SchĂŒtz als Berater „von Haus aus“ fĂŒr die zu grĂŒndende Hofkapelle sowie fĂŒr die musikalische Einrichtung des jetzt als Schlosskapelle genutzten Domes zu Zeitz. Bis 1718 residierte hier diese Nebenlinie der Wettiner und sorgte dabei fĂŒr ein reiches und vielseitiges kulturelles Leben im „Herzogtum Sachsen-Zeitz“

Offensichtlich in Erinnerung an die beiden gegenĂŒberliegende Choremporen im Markusdom zu Venedig, wo SchĂŒtz studiert hatte, regte SchĂŒtz 1663 in einem Brief an Herzog Moritz „solche beyde Chore mit Einer zierlichen Zimmer und Tischlerarbeit“ an und zwar um „Ein anderthalb Elle - in die Kirche gerĂŒckt ...,Auff welche weise denn, und anders nicht, solche Chore meiner meinung nach Ihre perfection und gebĂŒhrendes Lob erst erreichen wĂŒrden ...Undt stehe ich ... an, auf was masse der Orgelmacher die Itzige grosse Orgel, auf dem Einen Chor recht aufsetzen und dieselbige recht ins gesichte in die Kirche fallen werde.“

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die große Orgel mehrfach von einheimischen Meistern repariert. Den grĂŒndlichen Archivforschungen von Hans Schumann (1993) ist zu entnehmen, dass die

frĂŒhest erhaltene Disposition von 1750 noch weitgehend die ursprĂŒngliche ist. Die Orgel besaß auf zwei Manualen und Pedal 27 Register und zeichnete sich durch reiche Klangfarben, auch auf Grund charakteristischer Zungenstimmen, aus. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es wiederum zu Reparaturen. Der Zeitzer Orgelbauer Johann Michael Böhme hielt die ĂŒberlieferte Disposition im wesentlichen bei, ersetzte aber entsprechend dem Zeitstil zwei kurzbecherige, vielleicht etwas schnarrende Zungenstimmen durch mildklingende Flötenregister. Außerdem fĂŒgte er fĂŒr neue tiefe Pedalregister einen schlichten Anbau rechts hinter dem historischen GehĂ€use hinzu.

Erst 1961 geschah ein tief eingreifender Umbau der Orgel. Lothar Heinze aus Stadtilm schuf unter Verwendung vieler alter Pfeifen, jedoch mit neuen Zungenstimmen, eine dreimanualige Orgel mit 34 Registern auf Kegelladen bei elektrischer Spiel- und Registertraktur. Erstmals wurde nun auch das GehĂ€use auf der Nordempore mit klingenden Pfeifen versehen; beide Orgelteile waren an einen freistehenden Spieltisch angeschlossen. Von dieser „modernen“ Orgel in historischen GehĂ€usen wurde der sĂŒdliche Teil, also die eigentliche Orgel, beim Einsturz des Vierungspfeilers und der mit ihm verbundenen Gewölbe in der Nacht vom 10. zum 11. Juni 1982 schwer zerstört.

Maßstab fĂŒr den Wiederaufbau des sĂŒdlichen OrgelgehĂ€uses durch den Tischlermeister Uwe Schnabel aus Altenburg bildeten die aus den TrĂŒmmern geborgenen GehĂ€useteile. Besondere Bedeutung verdienten die hochwertigen Schnitzarbeiten, die allerdings durch die Holzbildhauerin Rosi Schwabe aus Kreischau stilgerecht ergĂ€nzt werden mussten. Das rekonstruierte GehĂ€use wies auch die Richtung fĂŒr die klangliche Wiederherstellung, so durch die musikalische Unterordnung des kleinen „Unterwerks“ unter das große, „Manual“ genannte, hochgestellte Hauptwerk und durch die in TerzabstĂ€nden angeordneten Pfeifen auf den Windladen sowie durch die „Kammer“ fĂŒr die beiden neuen, in alter Art gefertigten SpanbĂ€lge.

Von 1999 bis 2001 erbaute die Hermann Eule GmbH Bautzen das neue Orgelwerk. Hinweise auf Zahl und Art der Register lieferten die von Hans Schumann erforschten Dispositionsangaben. Wegen des Verlustes vieler Register war eine exakte klangliche Rekonstruktion nur bei wenigen Registern möglich, wohl aber wurde in sehr ĂŒberlegter Arbeit aus den erhaltenen Pfeifenresten die historisch gegebene Klangvielfalt erkannt und wiederbelebt. Die heutige Disposition mit 27 Registern auf zwei Manualen und Pedal bei mechanischer Spiel- und Registertraktur ist ganz aus der von Heinrich SchĂŒtz begrĂŒndeten Tradition heraus erwachsen. Eine Umfangerweiterung auf g in den Manualen und auf f im Pedal sowie eine Stimmung nach Generalbass-Unterweisung von Andreas Werckmeister (1698) bei a = 440 Hz lĂ€sst auch die Interpretation neuer Musik zu. Die Orgel entspricht somit voll den Erfordernissen des liturgischen und konzertierenden Spiels von Musik aus Vergangenheit und Gegenwart, und dies bei einer vorzĂŒglichen, raumfĂŒllenden Akustik, auf die ja schon Heinrich SchĂŒtz durch die von ihm angeregte Stellung der Orgel Wert gelegt hat.

"Zur Disposition der Eule-Orgel klicken Sie bitte auf das Bild!"

Top

Home. .. -> Die Orgel

© 2002-2024 Kath. Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Zeitz